Süßigkeiten bleiben Süßigkeiten
Kritik: Vitaminzusätze sind nur Werbetrick
Hersteller von Süßwaren und Fertigkost wollen ihre Produkte mithilfe künstlicher Vitamincocktails „gesundwerben“, kritisiert die Verbraucherorganisation Foodwatch. Die zugesetzten Vitamine seien überflüssig und dienen nur dazu, den Eltern zu suggerieren, sie könnten ihren Kindern gleichzeitig etwas zu Naschen und etwas Gesundes geben. Ältestes Beispiel für den Vitamintrick: Nimm2, die Bonbons mit den „vielen wertvollen Vitaminen“.
Etikettenschwindel mit Tradition
„Kinder leiden in den allermeisten Fällen nicht an einem Vitaminmangel, sie sind teilweise sogar überversorgt“, erklärte Anne Markwardt von Foodwatch. Kinder und Erwachsene können ihren Vitaminbedarf in der Regel problemlos über eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse decken. Vitaminanreicherungen seien deshalb nicht nur überflüssig, sondern ein Verkaufstrick. Die Süßigkeiten seien nur als gesund getarnt. „Vitamine hin oder her, ‚Nimm keins’ ist in jedem Falle gesünder als Nimm2. Bei Bonbons gibt es kein gesünder – sie bleiben eine zuckrige Süßigkeit“, kritisiert Markwardt weiter.
Wie eine gesündere Alternative zu herkömmlichen Bonbons wird Nimm2 bereits seit Markteinführung 1962 beworben. Neben den so bezeichneten „wertvollen“ Vitaminen weist der Hersteller Storck auf der Verpackung auch Traubenzucker und Fruchtsaft aus. Traubenzucker ist allerdings nicht besser oder gesünder als herkömmlicher Zucker und macht ohnehin nur ein Neuntel des Gesamtzuckers im Produkt aus. Das beworbene Fruchtsaftkonzentrat ist lediglich zu 1,3 Prozent in den Bonbons enthalten.
Andere Hersteller – gleiche Praxis
Neben Storck bewerben auch andere Hersteller, Naschwerk mit überflüssigen Vitaminzusätzen als gesund. So tragen die zuckrigen Frühstücksflocken Frootloops von Kellogg’s, die Capri Sonne von Wild oder der Nesquik Kakao von Nestlé Hinweise auf zugesetzte Vitamine. Diese ändern jedoch nichts daran, dass es sich bei den Produkten um Süßigkeiten handelt, die angesichts ihres Zuckeranteils nur in Maßen verzehrt werden sollten. „Kinder brauchen eine klare Trennung zwischen Süßigkeiten und anderen Lebensmitteln“, sagte Anne Markwardt. „Mit unnötigen Vitaminzusätzen suggerieren die Hersteller, dass Süßigkeiten so wichtig sind wie Obst oder Gemüse – das ist ein völlig falsches Signal.“
- Links:
- Foodwatch hat eine Recherche zu Nimm2 auf www.abgespeist.de veröffentlicht.


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